Entstehung und Entwicklung der Vinzenzkonferenzen in Deutschland

Die Idee der Vinzenzkonferenzen entstand in Paris. Am 23. April 1833 versammelten sich in Paris sechs Studenten zu einer ersten caritativen Konferenz. Einer dieser jungen Studenten war Frédéric (Friedrich) Ozanam, der an diesem Tag 20 Jahre alt wurde und als Hauptgründer und Initiator dieser caritativen Gruppe gilt. Nicht von Anfang an führte sie den Namen Vinzenzkonferenz. Erst im Februar 1834 wird die Konferenz unter das Patronat des Hl. Vinzenz von Paul gestellt. Die Idee der Vinzenzkonferenzen breitete sich rasch in Frankreich und darüber hinaus aus. Das Wirken der Töchter des Hl. Vinzenz von Paul, die im März 1832 aus dem Elsaß kamen, um in München im Allgemeinen Krankenhaus die Krankenpflege zu übernehmen, dürfte den Boden dafür bereitet haben, dass die vinzentinische Idee zuerst in Bayern Fuß gefasst hat. Schwester Ignatia Jorth, die erste Oberin des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in München, zeigte ein besonders aktives Interesse für religiös-caritative Bestrebungen in Richtung Vinzenzverein.

  • 1845 Gründung der ersten Vinzenzkonferenz Deutschlands in München St. Ludwig

    Die persönlichen Kontakte und der Gedankenaustausch des französischen Literaturhistorikers Léon Boré, der um die Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in München wohnte, zu seinem Pariser Freundeskreis mit Friedrich Ozanam (1813 - 1853) haben sicher das Entstehen eines Vinzenzvereins in München begünstigt. Im Jahre 1833 trat die Vinzenzkonferenz in Paris als eine Laienorganisation katholischer Caritas ins Leben. Friedrich Ozanam, damals Student, später Literaturprofessor an der Sorbonne in Paris, ist das Hauptverdienst an der Gründung der ersten Vinzenzkonferenz zuzuschreiben. Am 17. Mai 1845 kam es zur Gründung der ersten deutschen Vinzenzkonferenz in der Pfarrei St. Ludwig in München. An diesem Tage erteilte König Ludwig I. die Erlaubnis zur Gründung eines Vereins zur Unterstützung der Armen unter dem Namen "Gesellschaft des hl. Vinzenz von Paul". Das Aggregationsdokument in Paris vom 24. Mai 1845 zählt 43 Mitglieder auf. Neugründungen im Rheinland folgten bald darauf.

  • Aufbruch der vinzentinischen Bewegung nach dem ersten Deutschen Katholikentag 1848

    Dank einer aufrüttelnden Rede des Parlamentariers August Reichensperger auf dem ersten Deutschen Katholikentag in Mainz 1848 führte dieser Katholikentag zu einem Aufbruch der vinzentinischen Bewegung in Deutschland. Nachdem am 7. November 1848 in St. Johann Baptist in Haidhausen eine Konferenz gegründet worden war, folgten weitere Konferenzen im Jahre 1850 in den Münchner Stadtpfarreien St. Anna, St. Peter und Unsere Liebe Frau (Dompfarrei) sowie in der Pfarrei Mariahilf in der Vorstadt Au. Köln, die erste Vinzenzkonferenz entstand dort 1848 in der Pfarrei Groß St. Martin, hatte in der geschichtlichen Entwicklung der Vinzenzkonferenzen in Deutschland eine besondere Bedeutung. Dort schlossen sich mehrere Vinzenzvereine zum sog. örtlichen Verwaltungsrat zusammen; 1849 erweiterte sich der Verwaltungsrat Köln zum Verwaltungsrat für Rheinpreußen mit Sitz in Köln. Der Provinzialordnung des Reiches folgend wurde dieser in Provinzialverwaltungsrat umbenannt. Weitere Provinzialverwaltungsräte , in München im Jahre 1851, wurden eingerichtet. Beim Katholikentag in Trier 1887 wurden anstelle der Provinzialverwaltungsräte Oberverwaltungsräte geschaffen, die im wesentlichen den Diözesangrenzen folgten. Im Jahre 1904 war der Vinzenzverein auf 13 Oberverwaltungsräte mit insgesamt 800 Konferenzen angewachsen.

  • Errichtung von Diözesanräten im Jahre 1907

    Der Ruf nach einer für ganz Deutschland tätigen Zentrale führte bei einem Treffen der Delegierten der Oberverwaltungsräte am 13. Juni 1907 in Köln zu einer Neuorganisation. An die Stelle der aufgehobenen Oberverwaltungsräte traten die Diözesanräte. Als Zentrale der deutschen Vinzenzkonferenzen wurde Köln erwählt. Die Gesamtleitung der deutschen Konferenzen wurde einem Zentralausschuß übertragen, der sich aus den Präsidenten aller Diözesanräte zusammensetzte. Auf einer jährlichen Generalversammlung sollten die gemeinsamen Anliegen beraten werden. Die mit dieser Zentralisierung verbundene Koordinierungsaufgabe wurde einem hauptberuflichen Generalsekretär übertragen. Ihm oblag insbesondere auch die Pflege der Verbindungen zum Generalrat in Paris und der vinzentinischen Spiritualität sowie die Ausbreitung der Vinzenzkonferenzen. Die "Vinzenzblätter", deren Herausgabe dem Generalsekretär oblag, diente dieser Aufgabe; der erste Jahrgang erschien 1912. Präsident des deutschen Vinzenzvereins war der jeweilige Diözesanratsvorsitzende des Erzbistums Köln.

    Die größte Ausbreitung erreichte der Vinzenzverein in Deutschland Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit 13.000 Mitgliedern in 900 Konferenzen.

  • Vinzenzverein als Fachverband des Deutschen Caritasverbandes

    1897 wurde auf dem zweiten Caritastag in Köln der "Caritasverband für das katholische Deutschland" gegründet, für den die Vinzenzkonferenzen neben anderen caritativen Vereinigungen zum konstitutiven Element wurden. Auf der Fuldaer Bischofskonferenz im Jahre 1916 wurde dem Deutschen Caritasverband die Gesamtvertretung der katholischen Caritas Deutschlands übertragen. Seitdem ist der Vinzenzverein Fachverband des Deutschen Caritasverbandes.

  • Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

    Die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg trafen den Vinzenzverein hart. 1945 wurde mit 280 Konferenzen ein zahlenmäßiger Tiefstand erreicht. Die Vinzenzblätter, die 1939 ihr Erscheinen einstellen mußten, lebten wieder auf; seit 1970 werden sie unter dem seit 1967 eingeführten Titel "Begegnen und Helfen" mit den (Elisabeth-) Caritaskonferenzen herausgegeben. Am 29. Juni 1966 wurde in der Blumenstraße 20 in Köln das neue Generalsekretariat unter dem Namen "Friedrich - Ozanam - Haus" eröffnet. Am 27./29. Mai 1961 gab sich der Vinzenzverein den Namen "Gemeinschaft der Vinzenz - Konferenzen Deutschlands". Der Zentralausschuß wurde zum Hauptrat. 1978 gab sich die Gemeinschaft der Vinzenz - Konferenzen Deutschlands eine neue Grundordnung. 1986 beschloß der Hauptrat eine Satzung der Gemeinschaft der Vinzenz - Konferenzen Deutschlands e.V., die unter Weiterbestehen der bestehenden Grundordnung zur Rechtsstellung eines eingetragenen Vereins führte.

  • Feier des 150-jährigen Bestehens der Vinzenz - Konferenzen in Deutschland 1995

    Vom 19. bis 21. Mai 1995 wurde in München mit einem Studientag, einem Festgottesdienst und Festakt sowie mit einem Staatsempfang der Bayerischen Staatsregierung das 150-jährige Bestehen der Vinzenzgemeinschaft in Deutschland gefeiert. In einer Ausstellung in der Hochschule für Philosphie, wo der Festakt stattfand, wurde ein Einblick in die Geschichte und das Wirken der Vinzenzgemeinschaft in Deutschland gegeben.

  • Leitbild „Unsere Lebensorientierung“ 1999

    Das Positionspapier „Vinzentinische Caritas - eine Aufgabe auch für Männer“, das 1992 vom Präsidium verabschiedet wurde, war das erste Leitbild eines Fach- und Diözesanverbandes in der deutschen Caritas. Ergänzt wurde das Positionspapier 1995 durch ein „Orientierungspapier zum Leitbild vinzentinischer Caritas-Arbeit“. In einem länger angelegten Gesprächsprozess zur vinzentinischen Caritas, der 1999 abgeschlossen wurde, entstand das neue Leitbild mit dem Titel „Unsere Lebensorientierung“. Es erschließt die geistlichen Grundlagen vinzentinischer Caritas und benennt ihre Handlungsimplikationen.

  • Strukturelle und organisatorische Reformschritte seit 2000

    Vor dem Hintergrund der sich ändernden Strukturen in Kirche und Caritas und innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege wurden im Jahr 2000 erste Schritte für strukturelle und organisatorische Änderungen eingeleitet. In der Hauptratssitzung vom 16. bis 18. Juni 2000 stimmte der Hauptrat dem Abschluss eines Kooperationsvertrages mit dem „SKM – Kath. Verband für soziale Dienste in Deutschland e.V.“ (SKM) zu, der am 1. Januar 2001 in Kraft getreten ist. Gegenstand des Vertrages war die Durchführung einer Bürogemeinschaft der Verbandsgeschäftstellen im Friedrich-Ozanam-Haus, Blumenstraße 20, in Köln mit dem Ziel, Synergieeffekte zu erzielen.
    Die Zusammenarbeit der Gemeinschaft der Vinzenz-Konferenzen Deutschlands e.V. (VKD) mit dem SKM wurde durch eine Vereinbarung vom 1. Juli 2003 weiterentwickelt, der der Hauptrat in seiner Sitzung vom 23. bis 25. Mai 2003 grundsätzlich zugestimmt hatte. Wesentlicher Inhalt dieser ab 1. Juli 2003 geltenden Vereinbarung sind die Übernahme der bei der VKD angestellten Mitarbeiter durch den SKM und finanzielle Regelungen. Seit der Übernahme als Mitarbeiter des SKM ist der bisher hauptberufliche Generalsekretär, Herr Reiner Klaes, ehrenamtlich tätiger Generalsekretär der VKD.
    Im Hinblick auf den engen Finanzrahmen des Verbandes wurden weitere Möglichkeiten gesucht, die Kosten zurückzufahren. Im Rahmen der vom Hauptrat am 12. Juni 2005 beschlossenen neuen Satzung der VKD erfolgte deshalb eine deutliche Verschlankung der Organisationsstruktur, insbesondere durch die Verkleinerung des Präsidiums und den Wegfall des Arbeitsausschusses. Hierdurch konnten die Kosten für die Gremienarbeit erheblich gesenkt werden.
    Die erheblichen, durch Mieteinnahmen nicht zu deckenden Kosten des Unterhalts des verbandseigenen Friedrich-Ozanam-Hauses in Köln veranlassten die VKD, dieses Gebäude an die SKM-GmbH zu verkaufen. Der Verkaufserlös wurde überwiegend in die 2009 gemeinsam mit der SKM-GmbH errichtete Stiftung Vinzentinische Caritas eingebracht.
    Dem Wunsch des SKM, aufgrund einer organisatorischen Neuordnung die gemeinsame Geschäftsstelle von SKM und VKD von Köln nach Düsseldorf zu verlegen und dort mit der Geschäftsstelle der SKM-GmbH zusammenzuführen, entsprach die VKD. Die Anschrift der Geschäftsstelle der VKD ist seit 15. Dezember 2013 Sternstraße 71-73, 40479 Düsseldorf.
    Durch Beschluss des Hauptrats vom 14./15. Juni 2014 wurde die Satzung an die Verlegung der Geschäftsstelle angepasst und Düsseldorf als Sitz der Gemeinschaft der Vinzenz-Konferenzen e.V. festgelegt.

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